Revolutionär Sozialistische Organisation

Krise 2.0 im Kartenhaus Kapitalismus

Montag 15. August 2011

Die Spekulanten haben wieder zugeschlagen. Der Dax steht 18% unter dem Stand von Ende Juli. Große französische Banken haben zeitweise 20% an Kurswert verloren. Das Kapital springt von einer Spekulation in die andere auf der Suche nach Anlangen, die ein bisschen mehr versprechen. Führungsleute der Zentralbanken und der Politik wiederholen beruhigende Sätze. Oder sie machen das scheinbar intelligenteste: sie schweigen. Jede Erklärung kann die Panik anheizen. Eine verrückte Welt.

Vier europäische Staaten haben nun für 14 Tage Leerverkäufe verboten. Mit Leerverkäufen spekulieren Börsianer in nervöser Atmosphäre gegen den Kurs von Aktien und Staatsanleihen. Dieser Spekulationsmechanismus erlaubt es Spekulanten, etwas zu verkaufen, was sie nicht besitzen. Sie gewinnen Geld, wenn sie einige Tage oder Stunden nach der Aktion die Aktien oder Anleihen billiger kaufen können, als sie sie vorher verkauft haben. Leerverkäufe sind für die Spekulation erfunden worden. Spekulanten brauchen die Aufs und Abs an den Börsen. Dann gewinnen sie... und treiben so ganze Volkswirtschaften an den Rand des Abgrunds.

Der europäische Rettungsschirm

…ist dazu da, damit die Spekulanten nicht im Regen stehen. Merkel und Sarkozy denken daran, den europäische Rettungsfond auf 440 Milliarden Euro zu vergrößern. Er soll privaten Banken Staatsanleihen von Ländern, die womöglich ihre Schulden nicht mehr abzahlen können, abkaufen. Das wäre die direkteste Form, den Banken Geld in den Rachen zu stopfen. Auch die Überlegungen zu EU-Staatsanleihen bedeuten nichts anderes, als dass Politiker den Banken versprechen: „Macht weiter wie bisher, die Staaten garantieren, dass ihr alle Kredite mit wucherischen Zinsen zurück bekommt.“

Sparpakete: Die Bevölkerung soll bezahlen

Ob Griechenland, Spanien oder Italien: Die Heilmittel der Regierungen sind dieselben. Sie verabschieden schnell milliardenschwere Sparpakete.

Italien hat erst im Juli ein Sparpaket von 48 Milliarden Euro beschlossen. Jetzt kommt ein weiteres dazu mit 45 Milliarden. Vor allem an kommunalen Ausgaben soll gespart werden. 50.000 Stellen und soziale Einrichtungen stehen auf der Streichliste. Löhne und Renten fallen, die Arbeitslosigkeit steigt. Eine Abwärtsspirale entsteht.

Das wirkliche Problem: Der Kapitalismus

Den Unternehmen und Banken haben die Staaten im Herbst 2008 Hunderte von Milliarden hinterher geworfen. Dafür haben sich die Staaten weltweit verschuldet, indem sie sich Geld geliehen haben... bei den Banken. Genau dadurch wurde die Rückkehr der Krise in größerem Ausmaß vorbereitet!

Die Staatsschulden sind der für die Zwecke der Kapitalisten nützliche Hebel. Wenn Politiker behaupten, die Staatsschulden seien das Problem, dann sollen wir die scheinbar einzig mögliche Konsequenz akzeptieren: Sparen, um die Schulden zu verringern. Das bedeutet in deren Logik, bei den Sozialausgaben und den öffentlichen Leistungen zu streichen, nicht aber bei den Subventionen und Garantien für Banken und Konzerne. Im Gegenteil: Die Konzerne sollen bei den erzwungenen Privatisierungen noch profitieren.

Der Kapitalismus läuft völlig aus dem Ruder. Die Kapitalisten suchen immer nach Anlagemöglichkeiten – und finden sie immer auch in der direkten Spekulation an der Börse. Ob auf neue Energien, die IT-Branche, billige Hauskredite in den USA, auf Rohstoffe wie Getreide und Reis oder jetzt auf Staatsanleihen: Es kommt auf dasselbe raus. Eine Trennung von produzierendem und „bösem“ spekulierenden Kapital ist nicht möglich. Das ganze System ist ein Kartenhaus, welches beim Einstürzen Millionen von normalen Menschen ruiniert.

Die Krise könnte morgen auch Deutschland erfassen. Als Heilmittel werden die Politiker Sparprogramme verlangen. Damit die Bevölkerung hierzulande die Zusammenhänge nicht versteht, verbreiten sie die Lüge, die „faulen Griechen“ wären schuld.

Bewusst und gemeinsam gegen die unverantwortliche herrschende Klasse!

Wenn es eine Krise gibt, dann die der kapitalistischen Ordnung. Es ist also Sache der Banken und Unternehmen für ihre Krise zu zahlen! Von Griechenland bis Spanien, von Israel bis Großbritannen sind die Millionen Menschen, die ihre Wut gegen die Kapitalisten herausschreien, schon nicht mehr zu überhören. Aber noch mehr ist eine starke und bewusste Bewegung aller Schichten der Arbeitenden nötig, die den Kapitalisten auf die Füße tritt!


Marx
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