Revolutionär Sozialistische Organisation

Die größte Katastrophe heißt Armut!

Dienstag 20. Mai 2008

Die ganze Welt nimmt durch Medienbilder Teil an den beiden Katastrophen, die Millionen von Menschen in Asien getroffen haben. Zigtausend Menschen sind sowohl beim Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan, als auch in den Fluten des Zyklons Nargis gestorben, der Birma verwüstet hat. Insgesamt hat es weit über 100.000 Tote gegeben. Aber auch für diejeni-gen, die bisher noch am Leben sind, ist der Kampf ums nackte Überleben längst nicht vorbei. Denn nun drohen Hunger und Seuchen. Gerade in Birma, wo die Armut noch viel größer ist als in China, haben die Menschen in den betroffenen Regionen fast alles verloren. Und schon vor dem Zyklon waren dort mindestens 30.000 Kleinkinder unterernährt! Etwa zwei Millionen Men-schen befinden sich jetzt in Not. Die Bilder ähneln denen der Tsunami-Katastrophe im Dezem-ber 2004.

Es ist keine unabwendbare Geißel der Natur, die zu Opferzahlen und Leiden in solchem Ausmaß führt. Diese „Naturkatastrophen“ sind von Menschen gemacht. Zwar lassen sich Erd-beben, Tsunamis und Wirbelstürme nicht verhindern. Doch die Folgen lassen sich ganz erheb-lich reduzieren. Wenn die Mittel dafür da sind. Eine ganz einfache Faustregel sagt: je ärmer die Menschen, desto höher die Opfer. Auch der Wirbelsturm Katrina, der seinerzeit New Orleans heimgesucht hatte, hat die Menschen abhängig von ihrem Wohlstand getroffen: die schwarzen Armenviertel wurden fast vollständig zerstört, im Gegensatz zu den reicheren Gegenden. Doch trotz des Versagens der US-amerikanischen Behörden sind die Opferzahlen von knapp 2000 Toten nicht mit denen in Birma zu vergleichen.

In den vom Zyklon Nargis betroffenen Regionen leben 24 Millionen Menschen. Die Fluss-deltas und Küstenregionen in Südostasien gehören zu den am dichtesten besiedelten Gegen-den der Welt. Gleichzeitig sind sie bitterarm und gerade deshalb immer wieder Opfer von „Na-turkatastrophen“, egal ob in Bangladesh, Indonesien oder eben Birma. Die Armut führt dazu, dass Elendsquartiere gebaut werden, die den Fluten keinen Widerstand leisten können. Gleichzeitig werden die letzten Mangrovenwälder abgeholzt, um durch Reisanbau überleben zu können. Doch genau das hat sich jetzt in Birma als fatal erwiesen. Hätten die Mangroven-wälder noch bestanden, die in den letzten zehn Jahren verschwunden sind, hätten die Sturm-fluten nicht so ungehindert 40 Kilometer weit ins Landesinnere vordringen können.

Ähnlich wie beim Tsunami hat es zwei Tage vor der Katastrophe schon erste Meldungen gegeben, auf die nicht reagiert wurde. Birma hat im Gegensatz zu anderen Nachbarländern kein Vorwarnsystem. Auch hier zeigt sich, dass technische Ausrüstung und Infrastruktur über Menschenleben entscheiden.

Wirbelstürme werden als Folge der globalen Erwärmung noch erheblich zunehmen, so die Vorhersage im Bericht des Weltklimarates vom letzten Jahr. Es ist nicht möglich, einen einzel-nen Zyklon direkt auf den Klimawandel zurückzuführen. Doch sicher ist, wenn die Industrielän-der weiterhin soviel Treibhausgase in die Luft pusten, bereiten sie immer neue „Naturkatastrophen“ vor. Das weltweite kapitalistische Wirtschaftssystem erzeugt so einerseits durch Um-weltverschmutzung zusätzliche „natürliche“ Risiken. Andrerseits ist es für die Armut verantwortlich, die zu Katastrophen solch gigantischen Ausmaßes führt!

Die Militärdiktatur in Birma fügt ihren Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung eins hinzu, indem sie gerade jetzt, wo es entscheidend ist, Hilfslieferungen behindert. Doch den westli-chen Regierungen steht es nicht zu, Kritik zu üben. Die eine Million Euro Nothilfe, die Deutsch-land versprochen hat, macht gerade mal fünfzig Cent pro Betroffenen in Birma aus. Und schließlich ist ihr kapitalistisches System für das Elend und die Armut verantwortlich, die als Katastrophe die ganze Welt heimsuchen!


Marx
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