Revolutionär Sozialistische Organisation

Wären die Armen nicht arm, wären die Reichen nicht reich!

Mittwoch 25. Januar 2012

In der Presse wurde noch vor Kurzem gefeiert, wie viele Menschen doch in Lohn und Brot in Deutschland stehen. Dabei handelt es sich zum einen vor allem um Niedriglohn-Jobs, die geschaffen wurden und zum anderen, dreht sich in Wahrheit das Karussell von Entlassungen, Arbeitsplatzabbau und Schließungen munter weiter: Reemtsma, Eon, Manroland, Schlecker, Bayer, Osram...

Die offiziellen Gründe sind verschieden. Beim Lampenhersteller Osram in Berlin sollen 400 von 1.600 ArbeiterInnen abgebaut werden, weil Teile der Produktion nicht mehr genügend nachgefragt werden. Beim Zigarettenhersteller Reemtsma-Berlin wurden 200 ArbeiterInnen wegrationalisiert, um auf dem Markt bestehen zu können. Der weltweit zweitgrößte Druckmaschinenhersteller Manroland in Plauen, Augsburg und Offenbach will von 6.500 Arbeitern 2.100 einfach vor die Tür setzen, weil MAN und Allianz nicht mehr bereit waren, Gelder in das Unternehmen zu stecken. Schlecker geht in die Plan-Insolvenz, wird Tausende von Läden schließen und die VerkäuferInnen vor die Tür setzen. Bayer, ein Pharmakonzern, der sich über nichts beklagen kann, will einfach nur umstrukturieren und baut deshalb Stellen ab. Und Eon, der größte Stromkonzern Deutschlands will weltweit 11.000 Arbeiter abbauen – 6.500 allein in Deutschland. Angeblich ist der Atomausstieg schuld.

Keine Antwort ist ne schlechte Antwort!

Und was ist die Antwort auf diese Massenentlassungen? Viele ArbeiterInnen der betroffenen Betriebe erwarten von den Betriebsräten und Gewerkschaften, dass sie den Widerstand organisieren. Doch deren Devise lautet zurzeit: „Ruhe bewahren! Lohnverzicht! Bloß nicht die Firmenchefs oder möglichen Investoren verärgern!“ Es werden bei Manroland mehrfach Protestdemonstrationen abgeblasen, Stillhalteabkommen bereits Mitte November 2011 mit Manroland vereinbart, Abbaupläne durch den Betriebsrat-Osram geheim gehalten. Bei Schlecker ist der Betriebsrat der Ansicht, dass alle ruhig weiter arbeiten sollten...

Doch wie kann man angesichts der ständigen Entlassungen, Schließungen und Plan-Insolvenzen noch Ruhe bewahren? Erneut sollen Tausende Männer und Frauen in den kommenden Monaten ihre Jobs verlieren. Jobs, die noch einigermaßen zum Leben reichten. Und gleichzeitig wird bekannt, dass der Niedriglohnsektor in Deutschland seit 20 Jahren immer größer wird. Schon heute hat jeder Fünfte Beschäftigte nur einen Minijob. Das sind 7,3 Mio. Menschen! 4,8 Mio. haben nur diesen einen Minijob als einzige Beschäftigung und müssen davon leben! Es wird nicht für die Rente und auch nicht in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt. Schlimmer noch: Die Firmen, die nur 400 Euro im Monat zahlen, lassen die ArbeiterInnen bewusst zum Job-Center ziehen, damit diese sich den Lohn aufstocken lassen – auf Kosten der Steuerkassen!

Während am einen Ende die Zahl der Armen (mit und ohne Arbeit) immer größer wird, wächst der Reichtum am anderen Ende ins Unermessliche. Und das sind keine unbekannten Aktionäre, die irgendwo auf einer reichen unbekannten Insel sitzen. Nein, das sind Unternehmer und ihre Familien, die hier in Deutschland (oder in der Schweiz) auf ihrem Vermögen hocken, das von Jahr zu Jahr mehr wird.


Schauen wir uns doch mal einige der bekanntesten Milliardäre Deutschlands an:

Das Privatvermögen von reichen Unternehmern, die durch die Arbeit ihrer Arbeiter immer reicher werden.

Friede Springer (Bild, BZ) 2,5 Mrd. Dollar

Müller (Müllermilch) 2,5 Mrd. Schweizer Franken

Siemens-Familie (Osram ist eine Tochter des Siemens-Konzerns) 3,2 Mrd. Euro

Schlecker-Familie 3,6 Mrd. Euro

Heinrich Deichmann (Schuheinzelhandel) 4,3 Mrd. Dollar (2009: „nur“ 3,4 Mrd. Dollar)

Bertelsmann-Familie 4,4 Mrd. Dollar (2009: „nur“ 2,5 Mrd. Dollar)

Erivan Haub, Tengelmann-Eigentümer (Kaisers) 4,5 Mrd. Dollar

Familie Liebherr (Baumaschinen, Kühlschränke, Hotels) 4,5 Mrd. Schweizer Franken

Familie Jacobs (Zeitarbeit und Schokolade) 5,5 Mrd. Schweizer Franken

Otto-Familie (Versandhandel) 9 Mrd. Euro

Haniel (Metro) 10,5 Mrd. Euro

Söhne von Theo Albrecht (Aldi) 14,4 Mrd. Dollar

Brenninkmeijer (C&A) 22,5 Mrd. Euro

Familie Quandt (BMW) 19,8 Mrd. Dollar

Karl Albrecht (Aldi) 23,5 Mrd. Dollar


Und angesichts solcher Vermögen sollen die ArbeiterInnen ruhig bleiben und auf Weihnachtsgeld und Lohn verzichten? Sie sollen Entlassungen hinnehmen und in die Armut abrutschen, während andere im Geld baden können? Sie sollen die Krisen und Pleiten der Unternehmer ausbaden, die ihr Geld kurzerhand ins Ausland bringen oder halt in lukrativere Geschäfte stecken?

Das sind keine Antworten, die diejenigen akzeptieren können, die davon leben müssen. Das sind Antworten, die nur den Unternehmern helfen.

Die einzig richtige Antwort der ArbeiterInnen kann nur heißen: Gemeinsamer Widerstand! Entlassungen verbieten! Weg mit Niedriglöhnen! Geschäftsbücher offenlegen! Das Vermögen gehört in die Hände derjenigen, die es auch geschaffen haben!


Marx
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