Revolutionär Sozialistische Organisation

Generation ohne Perspektiven?

Mittwoch 9. Mai 2012

Die neuesten Studien und Ergebnisse zur Arbeitslosigkeit in Europa bestätigen das, was ein jeder schon ahnte: Die Arbeitslosigkeit steigt. Das geht aus Zahlen hervor, die die EU-Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg veröffentlicht hat. Die Arbeitslosenquote in den 17 Euro-Ländern beträgt 10,9 Prozent - das ist ein Höchstwert seit 1999. Gut 17,36 Mio. Menschen in der EU sind ohne Arbeit.

Vor allem die Jugend trifft es hart

Und vor allem die Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit sind erschreckend. Über 5,5 Mio. Jugendliche unter 24 Jahren sind arbeitslos. Gerade in den krisengeschüttelten Staaten, wie Griechenland oder Spanien, ist jeder zweite Jugendliche ohne Job. Und auch in Italien nimmt die wirtschaftliche Lage des Landes solch krasse Ausmaße an, dass in der ärmsten Region Kampanien (das ist bei Neapel) immer mehr Kinder die Schule abbrechen, um ihre Familien zu unterstützen und irgendwo arbeiten zu gehen. Allein in den Jahren 2005- 2009 waren es über 54.000 Kinder und 38% davon waren unter 13 Jahre alt.

Kinderarbeit kann dabei vieles sein. Es beginnt bei der Feldarbeit und endet bei allerlei niederen Tätigkeiten, wie Autos waschen. Zwölfstunden Schichten sind für die Kleinen dabei keine Seltenheit. Und da glauben viele, Kinderarbeit gäbe es nur in der Dritten Welt!

Die hiesige Ruhe trügt

Wenn man den deutschen Politikern und Wirtschaftsexperten Glauben schenken möchte, könnte man meinen, hierzulande wäre alles in bester Ordnung. Doch in Ländern wie Deutschland, den Niederlanden und Österreich ist die Arbeitslosenquote nur deshalb niedriger, weil die Ausbildung zum Beispiel länger dauert und arbeitslose Jugendliche in allen möglichen Maßnahmen vom Job-Center „geparkt“ werden. Aber auch in diesen Ländern haben sie immer weniger Chancen auf einen regulären Arbeitsplatz. 50 % aller neuen Arbeitsverträge in der EU sind mittlerweile Zeitarbeitsverträge. Bei den 20- bis 24-jährigen beträgt der Anteil sogar 60 %.

Und selbst ein abgeschlossenes Studium ist kein Garant für einen festen Job. Die Generation Praktikum ist dank der Bachelor/Master-Reform an den Unis traurige Realität geworden. Dies bedeutet, dass junge Menschen von Praktikum zu Praktikum hüpfen, immer in der Hoffnung hierdurch endlich einen festen Job zu bekommen. In der Regel sind diese Praktika völlig unterbezahlt oder gar überhaupt nicht entlohnt.

Die Ausbeutung hat politische Flankendeckung

Das Anwachsen von Armut und sozialer Ausgrenzung ist nicht allein ein Ergebnis der wirtschaftlichen Krise, sondern auch die Folge einer gezielten Politik der europäischen Regierungen und der EU. Trotz der alarmierenden Zahlen fahren diese fort, das Rentenalter hinaufzusetzen, öffentliche Arbeitsplätze abzubauen und den Niedriglohnsektor auszuweiten – alles Maßnahmen, die die Armut ausdehnen und es allen, aber vor allem den jungen Arbeitenden immer schwieriger machen, einen normalen Arbeitsplatz zu bekommen. Alles nur, um den Staat zu sanieren?

Diese Verschlechterung der Arbeitsbedingungen durch staatliche Maßnahmen und dazu die allgemeinen Kürzungen bei den Sozialkassen sollen angeblich dazu dienen, den Karren wieder flott zu machen. Wir wissen alle, dass dies eine Lüge ist. Die öffentlichen Haushalte sind verschuldet, weil sie von denselben Finanzeliten und Unternehmen geplündert wurden, die jetzt von dem Niedriglohnsektor profitieren. Die Steuern auf Gewinne, Vermögen und hohe Einkommen sind seit Jahren immer wieder gesenkt worden.

Die Armut der Einen ist der Reichtum der Anderen

So besitzen in Deutschland das reichste 1 % der Bevölkerung 23 Prozent des Gesamtvermögens. Und allein 10 % der Bevölkerung besitzen 60 % aller Vermögen. Die untere Hälfte besitzt dagegen lediglich 2 Prozent. Ein besonderes deutsches Problem? Nein, ganz und gar nicht. „Eine Struktur, in der die Armen weniger als 5 Prozent, die Mittelklassen 30-35 Prozent und die Reichen über 60 Prozent besitzen, ist heute ein typisches Muster, das sich in den meisten europäischen Ländern findet“, heißt es in einem EU-Bericht.

Und nichts wird sich daran ändern, wenn weiterhin Wirtschaft und Staat im Interesse der Unternehmerprofite funktionieren.

Kein Tag vergeht, ohne dass in irgendeinem Land die Arbeitenden auf die Straße gehen und ihre Rechte einfordern. In Deutschland nahmen beispielsweise über 400.000 Leute an den 1. Mai - Kundgebungen teil. In Griechenland gab es erneut einen Generalstreik. Tausende Menschen demonstrierten allein in der Hauptstadt Athen. In der russischen Hauptstadt Moskau versammelten sich Schätzungen zufolge am 1. Mai 150.000 Menschen.

Es kann der Beginn einer europaweiten, wenn nicht gar weltweiten Bewegung sein, die das Kapital und seine Verteidiger in die Schranken weist. Denn die Herrschenden in Europa üben immer mehr Druck auf die Bevölkerung aus, so dass es keine andere Möglichkeit geben wird, als sich auf der Straße und in den Betrieben dagegen zu wehren. Und hierbei muss und wird besonders die Jugend voran gehen, die noch ein ganzes Leben vor sich hat und dieses Leben nicht für immer in Armut verbringen will.


Marx
Startseite | Kontakt | Sitemap | Redaktion | Statistiken | Besuche: 236688

Aktivitäten verfolgen de  Aktivitäten verfolgen Leitartikel   ?

Realisiert mit SPIP 2.1.29