Revolutionär Sozialistische Organisation

Höhere Löhne – die beste Altersvorsorge!

Mittwoch 12. September 2012

Die Themen Rente und Altersarmut waren in den letzten Wochen in fast aller Munde. Kein Wunder, die neuesten Studien und Statistiken verheißen alles andere als eine rosige Zukunft.

Im Jahr 2011 betrug die Durchschnittsrente noch rund 953 Euro. Und die Sozialministerin von der Leyen rechnete uns in den letzten Wochen vor, dass die Lage weitaus dramatischer wird. So wird ein vollzeitbeschäftigter Niedriglöhner im Jahre 2040 mit einem monatlichen Bruttolohn von 1.900 Euro nach 40 Beitragsjahren auf gerademal 597,71 Euro kommen.

Diese Entwicklung überrascht nicht

Seit den neunziger Jahren sind die Netto-Reallöhne kaum gestiegen und seit 2004 sogar nur gesunken. Im Jahr 2010 haben 36 % aller Vollzeitbeschäftigten weniger als 2.500 Euro verdient. Hinzu kommt noch die wachsende Zahl der Teilzeitbeschäftigten und Minijobber. Dies führt dazu, dass Altersarmut in Zukunft zu einem Massenproblem wird. Denn die Masse der Bevölkerung verdient einfach nicht genug, um genügend in die Rentenkasse einzuzahlen, geschweige denn für sich privat vorzusorgen.

Schon heute arbeiten 761.000 Rentner in Minijobs, um den Lebensunterhalt sichern zu können. Seit dem Jahr 2000 sind die Zahlen der arbeitenden Rentner kontinuierlich gestiegen. Dies hängt unmittelbar mit den sinkenden Renten zusammen.

Mehr als ein Zehntel der Rentnerhaushalte lagen 2009 unter der offiziellen Armutsgrenze. Und viele Rentner gelten nur deshalb nicht offiziell als arm, weil sie mit ihrem Partner zusammenleben und ihre mickrige Rente zusammenschmeißen.

Grundsicherung? Welche Grundsicherung?

Die sogenannte Grundsicherung im Alter beträgt ähnlich wie Hartz-IV gerade einmal 688 Euro. Und schon heute leben 412.000 Menschen von ihr. Tendenz steigend.

Und wie wird diese Grundsicherung berechnet? Nicht anders als bei Hartz-IV. Und das heißt, dass viele Bedürfnisse erst gar nicht berücksichtigt werden. Und deshalb gehen schon heute fast alle dieser Armutsrentner nebenbei in Minijobs arbeiten. Wohlverdienter Ruhestand sieht anders aus.

Von der Leyen völlig von der Rolle

Die nun diskutierte Idee einer Zuschussrente der Sozialministerin von der Leyen ist in Wahrheit ein alter Hut. Vor genau einem Jahr zauberte sie diese Reformidee schon einmal aus dem Ärmel und streute sie in die Debatte zur Altersarmut. Sinnlos war der Vorschlag schon damals. Denn die Voraussetzungen für den Bezug der Zuschussrente werden derart gestrickt sein, dass sie kaum jemand erfüllen wird. Sogar von der Leyen selbst geht von gerade einmal 17.000 Menschen aus, die in den Genuss ihrer groß angekündigten Reform kämen.

Die Rente ist keine Frage von Demografie

Die sinkenden Renten werden von Politik und Medien oftmals damit begründet, dass unsere Gesellschaft altert und immer weniger junge Leute da sind, um das Rentensystem zu finanzieren. Doch die Höhe der Rente ist eben keine Frage der Biologie, sondern die der Ökonomie und Politik. Es ist nämlich nicht die Frage, wie alt unsere Gesellschaft ist, sondern wie groß der gesellschaftliche Reichtum ist und wie der weiter wachsende gesellschaftliche Reichtum verteilt wird.

Dieser Reichtum ist in der Vergangenheit gestiegen und wird auch in der Zukunft immer weiter steigen. Und wenn die Bevölkerungszahl gleichzeitig weiter abnimmt, dann ist ein immer größerer Kuchen auf weniger Menschen zu verteilen. Dieser Kuchen ist also nur ungerecht verteilt und diejenigen, die ihn zerteilen und verteilen, rechnen ihn uns immer kleiner als er ist. Für alle ist genug da – der größte Teil geht eben immer nur an dieselben. Und für den Rest – die arbeitende Bevölkerung – bleiben nur die Krümel. Die Verteilung ist also kein „Generationenkonflikt“, sondern ein innerhalb aller Generationen – ein Konflikt zwischen arm und reich.

Flugbegleiter von Lufthansa streiken für höhere Löhne, gegen Leiharbeit und gegen Ausgliederung in eine Billigtochter

Schon heute für ein besseres Morgen streiken

Wollen wir mehr als nur Krümel, dann sollten wir also für eine bessere Verteilung des Kuchens sorgen. Die streikenden Flugbegleiter der Lufthansa machen es vor. Sie streikten nicht nur für höhere Löhne, sondern auch gegen die Ausgründung in Billigflugunternehmen und Leiharbeit. Sie verknüpfen die herrschende Unternehmerpolitik der Ausgliederung und niedrigen Löhne mit der Problematik der Altersarmut. Und sie trafen damit auf viel Verständnis in der Bevölkerung. Denn hohe Löhne sind die beste Altersvorsorge. Und wenn wir im Alter nicht alle nebenbei arbeiten gehen wollen, sollten wir schon heute für höhere Löhne kämpfen.


Marx
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