Revolutionär Sozialistische Organisation

Die größte Katastrophe heißt Armut!

Donnerstag 15. Mai 2008

Die ganze Welt nimmt durch Medienbilder Teil an den beiden Katastrophen, die Millionen von Menschen in Asien getroffen haben. Zigtausend Menschen sind sowohl beim Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan, als auch in den Fluten des Zyklons Nargis gestorben, der Birma verwüstet hat. Bisherige Schätzungen bezüglich des Ausma-ßes des Grauens sind noch sehr ungenau, doch sie gehen inzwischen von über 100.000 Toten aus. Aber auch für diejenigen, die bisher noch am Leben sind, ist der Kampf ums nackte Überleben längst nicht vorbei. Denn nun drohen Hunger und Seuchen. Gerade in Birma, wo die Armut noch viel größer ist als in China, haben die Menschen in den betroffenen Regionen fast alles verloren. Etwa zwei Millionen Menschen befinden sich in Not. Die Bilder ähneln denen der Tsunami-Katastrophe im Dezember 2004. Viele Leichen liegen herum und drohen die Gegend zu verpesten.

Es ist keine unabwendbare Geißel der Natur, die zu Opferzahlen und Leiden in solchem Ausmaß führt. Diese „Naturkatastrophen“ sind von Menschen gemacht. Zwar lassen sich Erdbeben, Tsunamis und Wirbelstürme nicht verhindern. Doch die Folgen lassen sich ganz erheblich reduzieren. Wenn die Mittel dafür da sind. Eine ganz einfache Faustregel sagt: je ärmer die Menschen, desto höher die Opfer. Auch der Wirbelsturm Katrina, der seinerzeit New Orleans heimgesucht hatte, hat die Menschen abhängig von ihrem Wohlstand getroffen: die schwarzen Armenviertel wurden fast vollständig zerstört, im Gegensatz zu den reicheren Gegenden. Doch trotz des Versagens der US-amerikanischen Behörden sind die Opferzahlen von knapp 2000 Toten nicht mit denen in Birma zu vergleichen.

In den vom Zyklon Nargis betroffenen Regionen leben 24 Millionen Menschen. Die Flussdeltas in Südostasien gehören zu den am dichtesten besiedelten Gegenden der Welt. Gleichzeitig sind sie bitterarm und gerade deshalb immer wieder Opfer von „Naturkatastrophen“, egal ob in Bangladesh, Indonesien oder eben Birma. Die Armut führt dazu, dass Elendsquartiere gebaut werden, die den Fluten keinen Widerstand leisten können. Gleichzeitig werden die letzten Mangrovenwälder abgeholzt, um durch Reisanbau überleben zu können. Doch genau das hat sich jetzt als fatal erwiesen. Hätten die Mangrovenwälder noch bestanden, die in den letzten zehn Jahren verschwunden sind, hätten die Sturmfluten nicht so ungehindert 40 Kilometer weit ins Landesinnere vordringen können.

Ähnlich wie beim Tsunami hat es zwei Tage vor der Katastrophe schon erste Meldungen gegeben, auf die nicht reagiert wurde. Birma hat im Ge-ensatz zu anderen Nachbarländern kein Vorwarnsystem. Auch hier zeigt sich, dass technische Ausrüstung und Infrastruktur über Menschenleben entscheiden.

Eine Zunahme solcher Wirbelstürme hatte im letzten Jahr der Bericht des Weltklimarates als eine der dramatischsten Folgen der globalen Erwär-mung vorhergesagt. Es ist nicht möglich, im Einzelfall einen Zyklon auf Klimaveränderungen zurückzuführen, doch sicher ist, wenn die Industrieländer weiterhin soviel Treibhausgase in die Luft pusten, so bereiten sie immer neue „Naturkatastrophen“ vor. Das weltweite kapitalistische Wirtschaftssystem erzeugt sowohl die „natürlichen“ wie die gesellschaftlichen Risiken, die Armut, die am Ende in einer Katastrophe münden.

Auch das Erdbeben in Sichuan ist dafür ein Beleg. Die Region Sichuan gehört zu den dynamischsten in China, was das Wirtschaftswachstum angeht. Dass dieser Wirtschaftsboom mit unerträglichen Arbeitsbedingungen einhergeht, ist bekannt. Viele Wanderarbeiter, die in den neuen Fabriken produzieren, haben keinen freien Tag in der Wo-che und arbeiten meist über 12 Stunden am Tag. Doch auch auf bestehende Bauvorschriften nimmt man nicht viel Rücksicht, wenn die Wirtschaft in einem immer noch armen Land boomt. Und so sind viele Schulen über den Kindern und Fabrikgebäude über den Arbeitern zusammengestürzt, während solidere Regierungsgebäude dem Beben standgehalten haben.

Die Militärdiktatur in Birma fügt ihren Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung eins hinzu, indem sie gerade jetzt, wo es entscheidend ist, Hilfslieferungen behindert. Doch den westlichen Regierungen steht es nicht zu, Kritik zu üben. Die eine Million Euro Nothilfe, die Deutschland versprochen hat, macht gerade mal fünfzig Cent pro Betroffenen in Birma. Und schließlich ist ihr kapitalistisches System für das Elend und die Armut verantwortlich, die als Katastrophe die ganze Welt heimsuchen!


Marx
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