Revolutionär Sozialistische Organisation

Opel Bochum ist überall!

Mittwoch 19. Dezember 2012

Letzte Woche wurde angekündigt, was viele Arbeiter bei Opel Bochum seit Monaten gefürchtet haben: Das Werk soll 2016 praktisch geschlossen werden. 3.000 Arbeiter sollen ihren Arbeitsplatz verlieren. Direkt und indirekt werden hierdurch 20.000 Arbeitende ihren Arbeitsplatz in der Region verlieren.

Alles nur Managementfehler?

Politiker und Gewerkschafter führen die Schließung auf Managementfehler zurück, doch das ist nicht wahr. Es ist in erster Linie die weltweite Krise, die nun wieder zuschlägt – nicht nur in Deutschland – nicht nur bei Opel: Sämtliche Autokonzerne haben dieses Jahr Absatzeinbrüche von 12,3-21,7% gemeldet. Allein die Autobauer von Luxuskarossen wie Porsche, Jaguar oder Mercedes machen Supergeschäfte, was wohl hierzulande niemanden verwundert, seitdem der letzte Armuts- und Reichtumsbericht wieder einmal offenbart hat, dass die Reichen eben – trotz Krise – immer reicher werden.

Durch die Einbrüche in den Absätzen sollen viele ArbeiterInnen ihre Jobs verlieren. In Belgien kämpfen daher seit Wochen Arbeiter um ihre Jobs, denn Ford will bis Ende 2014 4.300 Ford-Arbeitern und damit auch 5.000 Arbeitern der Zulieferer die Zukunft nehmen. In England sollen die Werke in Southampton und Dagenham nun schließen, in Polen will Fiat 1.500 Stellen streichen. Auch in Frankreich hat der Konzern PSA (Peugeot/Citroen) vor, bis Mitte 2014 11.000 Arbeitsplätze zu vernichten. Volvo in Schweden geht wieder auf Kurzarbeit und lässt die Leiharbeitsverträge auslaufen.

Die Konzerne nutzen die schlechten Zeiten aus

Und mit diesen Negativzahlen gehen die Autokonzerne nun in die Offensive. Ihr Ziel ist es, die Arbeiter weltweit gegeneinander auszuspielen und zu zwingen, auf Löhne zu verzichten. Das Beispiel Opel ist hierfür sehr bezeichnend: General Motors verkauft zwar in Europa weniger Autos, aber der Konzern macht insgesamt - seit der großzügigen Finanzspritze von 9 Mrd. Dollar durch die US- Regierung und zahlreichen Fabrikschließungen sowie Gehaltskürzungen in den USA - wieder gigantische Gewinne: 2010 waren es 4,7 Mrd. Dollar, 2011 7,6 Mrd. und für die nächsten Jahre werden weitere Gewinnsteigerungen erwartet.

Weshalb also die Werksschließungen, wenn es einem Konzern so gut geht? Weil die Konzernspitze und ihre Aktionäre noch mehr Gewinne wollen. Die Werksschließung von Opel Bochum steht nämlich im Zusammenhang damit, dass verschiedene Belegschaften mit ihrer drohenden Arbeitslosigkeit unter Druck gesetzt wurden. So boten die Gewerkschaften in Polen, England und auch hier in Deutschland an, auf Löhne zu verzichten, um GM dazu zu bringen, doch in ihren Standort zu investieren. GM hat sich am Ende für Polen und Groß- britannien entschieden, weil den Managern angeblich die Produktionsanlagen in Bochum zu veraltet und das Durchschnittsalter der Belegschaft zu hoch – sprich: zu teuer – seien. Auch Opel Rüsselsheim war zu Lohnverzicht bereit, um die Produktion zu halten, doch all diese Angebote haben nichts genützt. Und so wird die Konzernführung 300 Mio. Euro in Polen und England investieren, um hier die Technik auf den neuesten Stand zu bringen. Da sieht man, dass die Entscheidung nichts mit der Technik zu tun hatte... einzig und allein damit, wer sich am meisten erpressen ließ.

Ihre Probleme sind nicht die unseren

Die Krise hat ihre Ursache in der weltweiten Überproduktion vieler verschiedener Produkte, die keine zahlungskräftigen Kunden mehr finden. Die Autoproduktion ist nur ein Ausdruck dieser planlosen kapitalistischen Wirtschaft: Während 1960 weltweit 16,5 Mio. Kraftfahrzeuge produziert wurden, waren es 2008 71 Mio. Das ist mehr als die Menschen heute kaufen können. Möglich war dies durch die enormen Produktivitätssteigerungen in Form von Rationalisierung, Konkurrenzdruck der Firmen untereinander und Arbeitsintensivierung. Nach kapitalistischer Logik müssen diese Überkapazitäten abgebaut werden. Das geht nur durch Arbeitsplatzabbau sowie Werksschließungen und Firmenpleiten.

Die Folgen für uns Arbeitenden ist wohl allen klar und deswegen eine zynische und inakzeptable Logik, die wir unbedingt durchbrechen müssen. Und das geht auch: Wenn wir die Arbeitszeiten senken und die Arbeit auf alle Arbeitenden (und Arbeitslosen) verteilen, dann könnte die Menschheit weiterhin genügend für das Überleben aller produzieren. Nur die Profite, die würden gewaltig sinken. Doch wessen Problem wäre dies? Nicht das unsere, sondern nur das der Aktionäre und Unternehmer.


Marx
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