Revolutionär Sozialistische Organisation

Mali: Ein Krieg mehr auf der langen Liste der Kriege für Profite

Dienstag 22. Januar 2013

Seit 11. Januar führt die französische Armee Krieg in Mali, einem der ärmsten Länder der Welt in der südlichen Sahara – unterstützt von Deutschland. Alle möglichen Lügen werden uns seitdem aufgetischt.

Merkel rechtfertigte bei der Bundeswehr in Strausberg bereits letzten Oktober den Einsatz: „Freiheitliche demokratische Staaten können nicht akzeptieren, dass der internationale Terrorismus im Norden des Landes ein sicheres Rückzugsgebiet erhält“. Die Behauptung, die französische Militärintervention ziele darauf ab, die malische Bevölkerung zu schützen, ist die größte Lüge.

Wahrscheinlich hoffen nicht wenige Malier, dass das französische Militär sie vor den bewaffneten Banden schützt, die sich als „Gotteskrieger“ bezeichnen und im Norden die Bevölkerung im Namen Allahs terrorisieren. Viele Gruppen versuchen in dieser Region ihre Interessen durchzusetzen. In Folge des Krieges in Libyen letztes Jahr strömten Tausende, die als Söldner dem Diktator Gaddafi gedient hatten, bis an die Zähne bewaffnet zurück nach Mali – in ein Land, dass von einer Hungerkatastrophe heimgesucht wird und nur Elend bietet. Dazu kam vor einem Jahr der Aufstand der Tuareg, einem Nomadenvolk, das ganz besonders unter Armut leidet. Seit einem Militärputsch herrscht eine Übergangsregierung ohne jede Legitimation. Dazu kommen zahlreiche Banden, die mit Drogen- und Menschenhandel Geld machen und islamistische „Gotteskrieger“, die die Scharia einführen wollen und zur Durchsetzung ihrer eigenen, oft wirtschaftlichen Interessen, Angst unter der Bevölkerung verbreiten.

Aber die malische Bevölkerung hat von dem Militäreinsatz keine Verbesserung ihrer Lage zu erwarten. Das ist ein Krieg für Profite.

Auch wenn Millionen in schlimmster Armut leben, heißt das nicht, dass die Region nicht reich an Bodenschätzen ist. Doch dieser Reichtum landet direkt in den Taschen multinationaler Konzerne.

Gold, Uran, Erdöl…

Mali ist drittgrößter Goldproduzent Afrikas. Es gibt große Uran-, Kupfer- und Bauxitvorkommen. Der französische Atomkonzern AREVA baut schon länger im Nachbarland Niger Uran ab. Mali grenzt an die Elfenbeinküste, das mit seinen Häfen einer der wichtigsten Knotenpunkte für den internationalen Handel ist. Und die Geiselnahme von Arbeitern auf dem Gasfeld von BP im Nachbarland Algerien offenbarte, dass es hier auch um Erdöl und Erdgas geht. Die Entwicklungen in Mali und dessen Destabilisierung gefährden jedoch das Monopol der großen Konzerne in der Region.

Frankreich spielt dort seit Jahren den Polizeichef. Dazu unterhält es zahlreiche Militärbasen und Politiker-Marionetten, die mal islamistisch sind oder auch nicht – Hauptsache sie helfen den großen Konzernen beim Plündern der Region und geben sich mit den Krümeln zufrieden, die beim Aufteilen des Kuchens vom Tisch fallen. Es ist schon lange Politik der großen Mächte, diese ungleiche Ordnung aufrecht zu erhalten. Der Krieg ist nur die Fortsetzung dieser Politik mit anderen Mitteln.

Die Situation war für die Malier schon vor dem Krieg katastrophal. Hauptursache ist die wirtschaftliche Plünderung des Landes. Doch aus Erfahrung in Irak und Afghanistan wissen wir, dass die malische Bevölkerung einen noch höheren Preis für den „Krieg gegen den Terror“ zahlen wird, der im Namen ihrer Rettung geführt wird. Tod, Zerstörung und Massenflucht haben schon begonnen. Es besteht die Gefahr, dass die Islamisten sich stärken und in einer gemeinsamen Opposition gegen die kriegsführenden Mächte vereinigen. Mit der Geiselnahme hat sich der Krieg bereits auf das Nachbarland Algerien ausgeweitet.

Deutschland unterstützt diesen dreckigen Krieg

Unter scheinbarer Zurückhaltung stellt Deutschland bislang zwei Transportflugzeuge für Logistik und Offiziere zur Ausbildung afrikanischer Soldaten – doch das gehört zum Krieg dazu!

Schon fordern Politiker von CDU, SPD und Grüne mehr „Einsatz“. Gut möglich, dass sich die Politikerriege vom Bundeswehreinsatz eine Stärkung deutscher Präsenz in der Region erhofft, um deutschen Konzernen neue Geschäfte zu ermöglichen. Als Ouattara, Präsident der Elfenbeinküste und Chef der künftigen afrikanischen Einsatztruppe in Mali, letzte Woche Merkel besuchte, traf er auch deutsche Unternehmer „um zu sagen, dass die Elfenbeinküste wirklich ein Land der Chancen ist und auch für die Region wichtig ist. Wir haben große Ressourcen und große Chancen in allen Bereichen – in der Landwirtschaft, im Bergbau, in der Infrastruktur“. Und Merkel ergänzte: „Wir möchten diese Zusammenarbeit um das Thema erneuerbare Energien erweitern...“

Im Interesse der lokalen Bevölkerung: Sagen wir „Nein“ zu diesem Krieg! Die Bundeswehr hat in Mali nichts verloren, genauso wenig wie in Afghanistan, an der türkisch-syrischen Grenze, vor Somalia, im Kosovo usw.


Marx
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