Revolutionär Sozialistische Organisation

Wer brachte Hitler an die Macht?

Mittwoch 6. Februar 2013

Am 30. Januar 1933 wurde Hitler vom Reichspräsidenten Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Es war der Beginn einer Diktatur, der zuerst die Arbeiterbewegung von KPD über SPD bis hin zu den Gewerkschaften zum Opfer fielen. In wenigen Monaten wurden ihre Anhänger verfolgt, verschleppt, gefoltert und viele von ihnen in KZs umgebracht. Nach zwölf Jahren Diktatur und Weltkrieg war die Bilanz: 60 Mio. Tote, davon sechs Mio. Juden, aber auch sieben Mio. Deutsche.

Wie konnte es dazu kommen? Waren alle Deutschen für diese grausame Diktatur gleich verantwortlich oder ist diese Schuldzuweisung nicht viel eher ein Mittel, um die Verantwortlichen hinter den Millionen „Schuldigen“ zu verstecken?

Massenarbeitslosigkeit, Armut und Hunger

Die Weltwirtschaftskrise von 1929 erschütterte die deutschen Unternehmen, welche hierauf ihre Arbeiter sowie Angestellten in Massen auf die Straße setzten und die Verbliebenen mit Kurzarbeit und erheblichen Lohnkürzungen in große Not stürzten. Auf dem Tiefpunkt der Krise waren 1932 offiziell 6 Mio., also 44,4% der Bevölkerung arbeitslos, 22,6% in Kurzarbeit. Nur noch ein Drittel konnte von sich behaupten eine Vollzeitstelle zu haben! Gleichzeitig wurden neue Steuern erfunden (Kopf- und Biersteuer) oder angehoben (für Tabak, Zucker, sowie die Lohn- und Ledigensteuer), Beiträge für die Arbeitslosenversicherung erhöht und Unterstützungsleistungen drastisch gekürzt (Arbeitslosen- und Krankenversicherung, Witwen- und Waisenrenten).

Wer wählte die NSDAP?

Kein Wunder also, dass angesichts der allergrößten Not große Teile der Bevölkerung verzweifelt waren und nach einem Ausweg suchten. Die Arbeiterschaft war jedoch traditionell Anhängerin der beiden Arbeiterparteien SPD und KPD. Und dies blieb sie auch: Bei den letzten freien Wahlen im November 1932 erhielten beide Parteien zusammen 37,3%. Es war vor allem das sogenannte Kleinbürgertum, wie Lehrer, Beamte, Angestellte, kleine Selbständige, das sich in seiner Verzweiflung nach einem „Führer“ sehnte. Doch auch dieses verschaffte der NSDAP 1932 lediglich 33,1% der Stimmen. Bei einer Wahlbeteiligung von 80,6% erhielten die Nazis lediglich 12 von 45 Millionen Stimmen der Wahlberechtigten. Und doch wurde auf der Grundlage dieser Stimmenzahl Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt.

Kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung

Die letzten Wahlen waren nämlich ein Alarmsignal für das Großkapital, denn die NSDAP hatte ihren Zenit überschritten. Goebbels schrieb über diese Wahl: „Jede neue Meldung bringt eine neue Niederlage [...] Wir haben eine Schlappe erlitten.“ Und in der Tat, die NSDAP hatte zwei Millionen Stimmen verloren, während die KPD 900.000 Stimmen gewann. Hierauf reagierten die Großunternehmer nun entschlossen. Bis zu jenem Zeitpunkt setzten nicht alle von ihnen auf den Kandidaten Hitler. Sie hofften, dass die Krise mithilfe der drastischen Notverordnungen gegen die Bevölkerung zu meistern wäre. Ein Teil der Schwerindustrie, wie z. B. Thyssen, setzte aber schon seit mehreren Jahren auf die NSDAP und unterstützte sie finanziell. Auch Unternehmer, wie Carl Friedrich von Siemens erkannten die Nützlichkeit dieser faschistischen, gewaltbereiten Bewegung. So sagte er bei einem Gala-Essen des amerikanischen Konzerns „General Electric“ im Oktober 1931: „Die Wurzel der Hitler’schen Bewegung ist der Kampf gegen den Sozialismus, d. h. gegen den Marxismus... Der Hitlerismus...ist gegen die ungezügelte Vorherrschaft des Parlamentarismus, wie sie leider in unserer Verfassung vorgesehen ist.“

Die Großkonzerne setzten auf die faschistische Karte

Im Verlauf der sich zuspitzenden wirtschaftlichen und sozialen Situation setzten immer mehr Chefs der Großkonzerne und Banken auf die NSDAP, denn Hitler sprach ihnen aus der Seele, wie am 27. Januar 1932 vor 300 Wirtschaftsführern im Industrieclub in Düsseldorf, als er sagte: „Wenn wir nicht wären, gäbe es schon heute in Deutschland kein Bürgertum mehr, die Frage Bolschewismus [d. h. Kommunismus] oder nicht Bolschewismus wäre schon lange entschieden... Und wenn man uns unsere Unduldsamkeit vorwirft, so bekennen wir uns stolz zu ihr – ja, wir haben den unerbittlichen Entschluss gefasst, den Marxismus bis zur letzten Wurzel in Deutschland auszurotten.“

Ende 1932, Anfang 1933 war aufgrund der Wahlschlappe der NSDAP nun schnelles Handeln angesagt, da die Unternehmer große Angst vor einer möglichen Arbeiterrevolution hatten. Sie sahen keinen anderen Ausweg als eine Diktatur, um die Arbeiterbewegung aus dem Weg zu räumen. Denn diese Bewegung hätte sich einem Zweiten Weltkrieg in den Weg stellen können - für die deutsche Wirtschaft die einzige Lösung, um an billige Rohstoffe und Absatzmärkte zu gelangen.

Und so trafen sich ab dem 4. Januar mehrfach wichtige Wirtschaftsvertreter mit Hitler und wichtigen Regierungsvertretern, wie dem ehemaligen Reichskanzler von Papen, um über eine Koalitionsregierung von DNVP und NSDAP zu verhandeln.

Die bürgerlichen Parteien wehrten sich nicht

Und als Hitler und seine Schlägertrupps in den Sattel gehoben waren, da wurde der aktive Widerstand schwer, denn die Arbeiterbewegung wurde mit voller Wucht unterdrückt. Doch erst das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933, dem von allen bürgerlichen Parteien (bis auf SPD und KPD) zugestimmt wurde, machte die Errichtung der faschistischen Diktatur komplett. Einige dieser Politiker, die die Machtübergabe an Hitler begrüßten, haben in der BRD später noch groß Karriere gemacht, wie Theodor Heuss (erster Bundespräsident) oder Konrad Adenauer (erster Bundeskanzler), dessen Kölner Zentrumsfraktion am 30. März 1933 offiziell erklärte: „Wir begrüßen die Vernichtung des Kommunismus und die Bekämpfung des Marxismus.“

Und so sind eben nicht alle gleich Verantwortlich für eine brutale Diktatur, die vielen Menschen das Leben kostete. Sie wurde sogar von Politikern und Unternehmern bewusst in Kauf genommen und forciert.


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