Revolutionär Sozialistische Organisation

Von einzelnen Streiks zu einer Streikwelle?

Mittwoch 20. Februar 2013

Praktisch kein Tag vergeht ohne Streiks. Erst der Nahverkehr in Brandenburg, dann letzte Woche der Streik der Sicherheitsleute an den Flughäfen in NRW und Hamburg. Zwei Drittel der Flüge fielen aus. Die meisten Sicherheitsleute bekommen gerade mal 11,80 € die Stunde. Sie fordern 2,50 € mehr. Diese Woche Montag streikten in Berlin 5.000 Lehrer und Erzieher. Auch sie wollen Lohnerhöhungen und bessere Arbeitsbedingungen. Außerdem fordern sie für gleiche Arbeit gleichen Lohn. Dienstag folgten 2.000 Angestellte des öffentlichen Dienstes in mehreren Bundesländern mit einem Warnstreik für 6,5% mehr Geld, bessere Urlaubsregeln und die Übernahme der Azubis. Mittwoch machen die Sicherheitsleute an den Flughäfen und der öffentliche Dienst weiter.

Das wirkt, so dass sich Unternehmer öffentlich über die Streiks aufregen. Dieter Hundt, Präsident der Arbeitgeberverbände hetzt gegen die Sicherheitsleute: „Es ist unverantwortlich, völlig utopische Lohnforderungen von 30% und mehr auf dem Rücken der Fluggäste und Fluggesellschaft auszutragen.“ Wenn sich Hundt Sorgen macht, dass die Fluggäste gut reisen können, dann soll er doch seinen Unternehmerfreunden raten, schnell die Lohnforderungen zu erfüllen. Die sind nur bereit, 40 Cent mehr zu zahlen... brutto, selbstverständlich. Der Vertreter der Bundesländer, Sachsen-Anhalts Finanzminister Bullerjahn (SPD), kritisierte die Forderungen der Angestellten im öffentlichen Dienst als „überzogen“. "Das geht auch nicht zu finanzieren", sagte er. Ja, für Unternehmen, ganz zu schweigen von Großprojekten wie BER und Stuttgart 21, sind Milliarden da, aber für die Arbeitenden nicht.

Klar, die Unternehmer wollen Streiks verhindern. Sie behaupten, in „fairen Verhandlungen“ und „konstruktiver Gesprächsatmosphäre“ diskutieren zu wollen. „Konstruktiv“ ist es für sie, wenn die Beschäftigten wie gehabt weiterarbeiten... Dabei können sich die Unternehmen allzu oft darauf verlassen, dass Gewerkschaftsspitzen ins selbe Horn blasen, und lieber auf Streiks verzichten, sobald sich die Chefetagen nur ein bisschen gesprächsbereit zeigen.

Von „fairen Verhandlungen“ haben wir nichts zu erwarten

Was die Arbeiterklasse braucht sind sichere Arbeitsplätze und ein Lohn, der für mehr reicht als Pferdelasagne. Doch ganz im Gegenteil zwingen uns Staat und Unternehmen immer mehr Arbeit in weniger Zeit, Minilohnerhöhungen, oder gar Lohnkürzungen, Leiharbeit und Personalabbau auf. Immer finden sie einen Vorwand, wir kennen ihre Lügen. Arbeitende und Unternehmer haben offenkundig entgegengesetzte Interessen.

Die Unternehmen wollen ihre Ziele mit allen Mitteln auf Kosten der Arbeitenden durchsetzen. Manchmal sind sie bereit, uns ein paar Krümel zu lassen, in der Hoffnung, wir geben uns mit dem zufrieden, was sie für uns als angemessen erachten. So wie die 40 Cent Lohnerhöhung, die die Sicherheitsfirmen in Gesprächen mit verdi angeboten haben. Aber wenn es wirklich ans Eingemachte geht, dann geben sie nichts freiwillig. Da können wir noch so gute Argumente haben. Sie werden die Manager nicht überzeugen, denn sie wollen so viel rausholen, wie es nur geht, um am Ende die Taschen der Aktionäre zu füllen. Unter „konstruktiver Gesprächsatmosphäre“ verstehen sie, dass wir ihre Vorschläge akzeptieren. Ein Verhandlungskompromiss ohne Streik ist nichts anderes als ein Diktat der Unternehmer.

Streik ist das einzige Druckmittel, um die Chefetagen auf Trab zu bringen

Durch Streiks verschaffen sich die Beschäftigten Gehör. Sie zeigen jedem, dass nichts ohne unsere Arbeitskraft läuft. Und in Streiks kommen wir raus aus unserem täglichen Arbeitstrott. Statt Vereinzelung am Arbeitsplatz können wir uns zusammenschließen. Die ganze Willkür der Chefs ist in Frage gestellt und wir kriegen mal wieder den Kopf hoch. Dann ist die Kraft der Arbeiterklasse spürbar und die Durchsetzung der Ziele der Arbeitenden rückt in greifbare Nähe.


Marx
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