Revolutionär Sozialistische Organisation

Schon wieder… tödliche Profitgier

Mittwoch 8. Mai 2013

Schon wieder! Gerade einmal 5 Monate nachdem der Brand einer Textilfabrik in Bangladesch über 100 Menschen das Leben gekostet hat und zu einem internationalen Aufschrei führte…

Schon wieder Textilfabriken, die für die dort Arbeitenden zur tödlichen Falle wurden! Mehr als 600 Tote wurden in den Trümmern des eingestürzten Gebäudes in Bangladesch gefunden. Der Einsturz am 24. April war somit ein tragischer Höhepunkt in der an tödlichen Unfällen reichen Geschichte der Textilindustrie.

Schon wieder eine Katastrophe, die absehbar war! Die Baumängel und Sicherheitsrisiken in den Fabriken in Bangladesch sind seit Jahren bekannt. Wer dort produzieren lässt, weiß, welche tödlichen Risiken damit verbunden sind.

Schon wieder Manager, die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Tod geschickt haben! Beim Brand im November wurden sie trotz Feueralarm an ihre Arbeitsplätze zurückgeschickt. Diesmal hatte die Polizei das Gebäude wegen Rissen in den Mauern schon einmal evakuieren lassen. Trotzdem wurde erklärt, das Gebäude sei sicher und es müsse dort gearbeitet werden. Die Profite durften doch wegen ein paar Rissen nicht aufhören zu sprudeln!

Die Verantwortlichen wollen, das alles so bleibt

Dabei sind die Hauptverantwortlichen dieser Katastrophe nicht die Menschenschinder vor Ort, sondern die westlichen Konzerne, die mit extrem knappen Zeitvorgaben das mörderische Arbeitstempo vorgeben. Durch hohe Vertragsstrafen bei Lieferverspätungen überlassen sie es den Subunternehmern in Bangladesch, dieses Tempo durchzusetzen – koste es was es wolle.

Die Verantwortlichen heißen also H&M, C&A, Benetton, KiK usw. Nach der letzten Katastrophe hat H&M Filme zur Sicherheitsbelehrung machen lassen. Das kostet nicht viel – ändert allerdings auch nichts an den Ursachen vor Ort. Das ist auch nicht beabsichtigt, denn die niedrigen Kosten (Monatslöhne von 30 € und eben die Sicherheitsmängel) erklären ja gerade den „Erfolg“ der Textilbranche in Bangladesch. Kurz nachdem die 500ste Leiche geborgen war, erklärte der dortige Finanzminister zynisch, dass er keine Auswirkungen auf die Textilindustrie seines Landes erwartet: „Die jetzigen Schwierigkeiten… nun ich denke, das ist nichts Schwerwiegendes – nur ein Unfall. … Das passiert überall.“ Textilien sind der Exportschlager Bangladeschs und Deutschland ist der zweitgrößte Abnehmer mit über 3 Mrd. Euro an Importen 2011.

Das Märchen von „unserer“ Schuld

Vor diesem Hintergrund gibt es nun eine massive Medienkampagne: Die Käufer in Deutschland seien zumindest mitschuldig an der Ausbeutung, also Arbeitende und Arbeitslose, die sich oft nur billige Kleidung leisten können.

Dabei ist das eine dreiste Lüge – denn die Lohnkosten machen nur etwa 12 cent pro Kleidungsstück aus. Die Löhne könnten verzehnfacht werden und wir bräuchten nur 1,20 Euro mehr zu zahlen. Doch uns will man einreden, viel teurere (am besten Marken-) Klamotten zu kaufen. So könnten wieder die Textilkonzerne profitieren – diesmal vom schlechten Gewissen der Kunden. Medien und Politiker schwören sonst gern auf die „freie Marktwirtschaft“, in der das Gewinnstreben jedes Einzelnen angeblich zu Effizienz führt. Jetzt sollen die Verbraucher plötzlich nicht auf ihren Vorteil, sondern auf „Fairness“ achten. Damit vertuschen diese Medien nur ihre moralische Verlegenheit angesichts der katastrophalen Zustände im kapitalistischen System. Sie wollen nicht zugeben, dass die weltweite „Marktwirtschaft“ eben gerade auf dieser krassen Ausbeutung beruht.

Nicht unsere Opfer, unsere Verbündeten!

Gegen diese Ausbeutung helfen weder Betroffenheit noch Ermahnungen an die Unternehmer, sondern nur der Kampf der Arbeitenden. Die Arbeiterklasse in Bangladesch ist sich dessen zunehmend bewusst – Hunderttausende waren in den Tagen nach dem Unglück auf den Straßen und im Streik. Sie fordern neben Bestrafung des Fabrikbesitzers mehr Arbeitssicherheit und höhere Löhne.

Wenn wir uns erinnern, wie oft die Unternehmer uns hier erzählen, die Konkurrenz aus den „Billiglohnländern“ wäre verantwortlich für die Verschlechterungen hier, dann wird klar, dass höhere Löhne in Bangladesch auch die Kampfbedingungen für höhere Löhne hierzulande verbessern. Deshalb sind die Textilarbeiterinnen in Bangladesch nicht etwa Opfer unseres Konsumverhaltens, sondern unsere Verbündeten im Kampf für ein besseres Leben und gegen die menschenverachtende Profitgier des globalen Kapitalismus!


Marx
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