Revolutionär Sozialistische Organisation

Streiken – sowas von 20. Jahrhundert?

Mittwoch 22. Mai 2013

Fast jedes Jahr aufs Neue kommt es zu bundesweiten Tarifverhandlungen der IG Metall für die Metall- und Elektrobranche. Und jedes Mal kann die IG Metall tausende von Arbeitenden für ihre Verhandlungen mobilisieren – dieses Jahr sind 750.000 MetallerInnen auf den Beinen gewesen.

Das Ergebnis, welches in Bayern als Pilotab- schluss für die 3,7 Mio Beschäftigten dieser Branche verhandelt wurde, wird von der Gewerkschaft als „fairer Kompromiss“ bezeichnet. Jedoch scheint er nur für die Arbeitgeberseite mehr als fair zu sein.

„Ein guter Kompromiss für unsichere Zeiten“

Der neue Tarif sieht eine Lohnerhöhung von 5,6 % über eine Laufzeit von 20 Monaten vor. Doch was steckt wirklich hinter dem Ergebnis? Zum einen gibt es eine Friedenspflicht bis 2015. Das heißt, wenn es in diesen „unsicheren Zeiten“ der Krise zu weiter sinkenden Verkaufszahlen und Aufträgen kommt, müssen die Angriffe auf Löhne und Arbeitsbedingungen ohne Kampf hingenommen werden. Aber auch die zweistufige Tariferhöhung und die zwei Nullmonate Mai und Juni sind nicht für alle Mitglieder so schmackhaft, wie die IG Metall es ihnen gerne machen würde. Denn die ursprüngliche Lohnforderung betrug fast das Doppelte. Und die Regulierung der Leiharbeit, die letztes Jahr wenigstens mit berücksichtigt wurde, fiel dieses Jahr völlig untern Tisch. Kein Wunder, dass der bayrische IG Metall-Bezirksleiter Jürgen Wechsler „die Tarifrunde an sich nicht schwierig“ fand. Schließlich wurde die Arbeitgeberseite mehr als übervorteilt.

100.000 Beschäftigte mehr oder weniger ...

Die knapp 100.000 Beschäftigten von VW sind von diesem Ergebnis ausgeschlossen. VW zögerte die Verhandlungen Anfang Mai hinaus, um das Ergebnis der Tarifverhandlungen in Bayern abzuwar- ten. Auch hier forderte die IG Metall ursprünglich 5,5 % für 12 Monate, gleichzeitig hofften sie auch vergeblich auf „ein ordentliches Angebot“ von der Konzernführung. Doch auch VW will so wenig wie möglich zahlen, schließlich wäre sonst ein erneuter Rekordgewinn wie 2012 von knapp 21 Mrd. Euro dieses Jahr nicht noch einmal möglich.

Es ist mehr nötig

Die IG Metall könnte so viel mehr – sie hat genug organisierte und kampfbereite Mitglieder. Sie wählt jedoch den einfachsten Weg - die Sozialpartnerschaft. In solchen unsicheren Zeiten ist der Kampf jedoch mehr denn je gefragt – denn es werden immer mehr Stellen gestrichen, Löhne gekürzt und Arbeitsbedingungen verschlechtert. Deswegen wäre es nötig, die Warnstreiks zu richtigen Kämpfen auszuweiten, um die Arbeitgeber wirklich unter Druck zu setzen. Außerdem sollten die Kämpfe branchenüberdeckend miteinander verknüpft werden, denn so kann z.B. die starke Metall- und Elektrobranche auch weniger gut organisierte Be- reiche unterstützen und Verbesserungen für alle bewirken. Es könnte so den Unternehmensleitungen erschwert werden, die Arbeitenden mit besseren Verträgen gegen die mit schlechteren Verträgen auszuspielen.

Arbeiten wie im 19. Jahrhundert

Anscheinend ist nicht nur Streiken 20. Jahrhundert, sondern auch die Arbeitsbedingungen in Deutschland. Zum Beispiel wurde vergangene Woche ein Tag bei Amazon in Bad Hersfeld und Leipzig für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen gestreikt. Neben den unzähligen befristeten Verträgen gab es angeblich auch Arbeitsverträge für einen Tag (!) – wenn das nicht sogar noch arbeiten im Sinne des 19. Jahrhundert ist.

Auch der öffentliche Dienst in Deutschland hat in den vergangenen Wochen gestreikt. Und bis jetzt sind immer noch angestellte LehrerInnen auf den Straßen für eine bessere und faire Bezahlung. Ihre griechischen KollegInnen streiken seit mehreren Tagen gegen ein Streikverbot und weitere Kürzungen. Denn es sollen aufgrund des EU- Spardiktats weitere 15.000 Stellen, davon 10.000 Lehrerstellen, im öffentlichen Dienst gestrichen und Löhne weiter gesenkt werden.

Und nun?

Wir sehen, es gibt noch genug ArbeiterInnen und Angestellte die bereit sind zu kämpfen, um ihren Forderungen wirklich Nachdruck zu verleihen. Jedoch können die Kämpfe nur an wirklicher Kraft gewinnen, wenn sie gemeinsam auf nationaler und internationaler Ebene geführt werden. Die Probleme sind nämlich überall dieselben: Stellenabbau, Lohnsenkung und miese Arbeitsbedingungen.

Die Unternehmer sind uns ein ganzes Stückchen voraus mit ihrer weltweiten Vernetzung und deswegen heißt streiken im 21. Jahrhundert mehr denn je – zusammen kämpfen und gemeinsam gewinnen!


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