Revolutionär Sozialistische Organisation

Die GDL: Eine Gewerkschaft wie jede andere!

Montag 17. März 2008

Am 9. März wurde endgültig der Tarifvertrag zwischen GDL und Deutscher Bahn besiegelt. Nach Abschluss des Tarifvertrages kann sich nun vor allem die Gewerkschaftsführung freuen. Die Eigenständigkeit gegenüber Transnet und GDBA wurde mit Ach und Krach halbwegs erreicht – aber nur noch für eine Handvoll Lokführer. Zugbegleiter und Gastronomiebeschäftigte, die ebenfalls mitgestreikt hatten, wurden unter dem Vorwand, nur 33 % (!) dieser Beschäftigten seien bei der GDL organisiert, von der Führung geopfert. Auch bei den Lokführern gab es Bauernopfer, wie z. B. die Lokrangierführer und die Rangierlokführer, die nicht unter den neuen Tarifvertrag fallen. Bei den Arbeitszeiten bleibt alles beim alten. So können z. B. die Schichten weiterhin bis zu 14 Stunden dauern und der Ausfall von Schichten muss noch immer erst am Vortag angekündigt werden. Zwar wird die Arbeitszeit von 41 Stunden auf 40 Stunden verkürzt – ab dem 1. Februar 2009! Doch welche Auswirkung wird dies tatsächlich auf die Wochenarbeitszeithaben? Viele Lokführer, wie bei der S-Bahn in Berlin, haben so lange Anfahrtswege oder ungünstige Schichtpläne, dass sich eine Stunde Arbeitszeitverkürzung kaum bemerkbar macht, solange alle anderen Bedingungen gleich bleiben. Auch was die Lohnforderung angeht, ist der Tarifvertrag weit von den ursprünglichen Forderungen entfernt. Mindestens 7% und höchstens 15 % soll es ab dem 1. März bzw. dem 1. September 2008 geben. Doch durch den Wegfall vieler Zulagen, die auf das Festgehalt angerechnet werden, ist es fraglich, ob hier der Tarifvertrag wesentlich besser sein wird als der Vertrag, den Transnet zuvor ausgehandelt hatte. Der GDL-Streik ist ein neues Kapitel in der Verratsgeschichte der Gewerkschaften. Es wäre mehr möglich gewesen. Obwohl die Mitglieder der GDL mit 98 % für einen Streik gestimmt hatten, hielt die Gewerkschaftsführung sich zurück. Fast ein Jahr dauerte die Auseinandersetzung und doch gab es insgesamt nur 190 Stunden – also gerade Mal 8 Tage – Streik. Die Führung verzichtete auch darauf, die Mitglieder der anderen Gewerkschaften zum Streik aufzurufen und ließ viele streikende Bahner vereinzelt in ihren Depots, wo sie den Repressionen der Konzernführung allein gegenüber standen. Viele Mitglieder werden wohl nun austreten, weil sich gezeigt hat, dass die GDL keineswegs besser ist als andere Gewerkschaften. Viele hatten dies gehofft, weil die GDL viel kleiner als andere Mammutgewerkschaften sei und dadurch die Hierarchie flacher sei. Doch egal wie flach die Hierarchie bei der GDL auch ist, in ihren bürokratischen Methoden und Funktionieren gleicht sie allen anderen Gewerkschaften. Aber es werden auch unzufriedene Arbeiter in der Gewerkschaft bleiben, die der Bürokratie nicht das Feld überlassen, sondern den Kampf mit deren undemokratischen Methoden aufnehmen wollen. Denn ihnen ist klar geworden: Ein demokratisch geführter Streik, wo die Streikenden hätten entscheiden und kontrollieren können, hätte den DB-Vorstand in die Knie zwingen können!


Marx
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