Revolutionär Sozialistische Organisation

Lampedusa: Nichts anderes als Mord!

Mittwoch 9. Oktober 2013

Die Bilder der Toten vor Lampedusa gehen um die Welt. Von nahezu 300 Toten wird berichtet. 300 von weit über 20.000 Boatpeople, die in den vergangenen 25 Jahren im Mittelmeer ertrunken sind. Das Mittelmeer wird zunehmend zu einem Massengrab, das von der EU und den Regierungen ihrer Mitgliedstaaten angelegt worden ist.

Die europäischen Regierungen haben sich vor Jahren hierauf verständigt: Migranten aus aller Welt will man nicht haben. Hierfür werden in nordafrikanischen Staaten und in Europa selbst Stacheldrahtzäune, Lager und Polizeieinheiten aufgebaut, darüber hinaus Gesetze erlassen, die z. B. in Italien dazu führen, dass Fischer und Reeder wegen angeblicher Förderung „illegaler“ Einwanderung verklagt werden, wenn sie Ertrinkenden helfen. Es ist die reinste Heuchelei, wenn sich jetzt – angesichts dieses extremen Dramas, das die Regierenden nicht mehr ignorieren können – viele Politiker der EU (auch Deutschlands) hinstellen und von der Änderung der europäischen Gesetze und mehr Hilfe für Afrika sprechen.

Sie folgen dem Reichtum ihrer Länder...

Die jährlichen Einwanderungsversuche von Hunderttausenden Migranten sind nicht aufzuhalten. Da helfen all die Abschottungsmittel nicht, denn Hoffnungslosigkeit, politische Unterdrückung, Armut, Hunger oder Krieg sind offenbar stärker als die Angst vor dem Verdursten in der Sahara oder dem Ertrinken im Mittelmeer. Diese Menschen, ein Teil von ihnen gar Kinder, haben keine Zukunft in ihrer Heimat.

In vielen Ländern herrschen brutale Regime mit der moralischen oder finanziellen Unterstützung der europäischen Staaten. In allen Ländern herrscht aber vor allem eines: die Verschuldung und wirtschaftliche Zerrüttung. Die Länder der Subsahara Afrikas haben allein von 1970-2002 295 Mrd. Euro Kredite aus dem Ausland erhalten und seither 268 Mrd. Euro zurückgezahlt. Doch ihr aktueller Schuldenstand beläuft sich dennoch auf 210 Mrd. Euro. Sie zahlen auf ewig die Zinsen an den Westen, der sich hierdurch mehr entwickeln konnte als jedes so genannte „Entwicklungsland“ Afrikas.

Afrika dient seit dem 19. Jahrhundert als eine sprudelnde Reichtumsquelle für die reichen Länder: Rohstoffe, Absatzmärkte und billige Arbeitskräfte. Auch wenn heute offiziell keine Kolonien mehr existieren, Afrika bleibt in der Hand der Unternehmer der reichen Staaten. Wie viel Öl wird jährlich aus Nigeria durch Shell abgepumpt, wie viel Uran an Frankreich aus Westafrika geliefert, wie viel Coltan aus dem Kongo an die Handy-Produzenten? Und wie viele Waffen werden nicht jährlich an afrikanische Regime geliefert, um die Länder „stabil“ und die Ausbeutungsbedingungen zu erhalten? Wie viele europäische Agrarprodukte werden durch Subventionen zu Dumping-Preisen in Afrika verkauft und wie viele afrikanische Bauern verlieren hierdurch ihre Existenz? Wie viele Kinder vergiften sich täglich an dem Elektromüll aus Europa, weil sie durch das Abbrennen an wertvolle Metalle gelangen? Wie viel Geld fehlt den Staaten für die Bildung, die Gesundheitssysteme und wirtschaftliche Entwicklung, wenn die Einnahmen aus den Rohstoffexporten zur Schuldentilgung oder den Kauf von Waffen benutzt werden?

Afrika könnte ein Kontinent sein, der seinen Bewohnern mehr als genug zum Leben bietet. Doch das weltweite Wirtschaftssystem lässt dies nicht zu. Und deshalb machen sich so viele Menschen auf die Wanderung nach Europa. Sie folgen dem Reichtum ihrer eigenen Länder! ...doch der Reichtum ist in den Händen Weniger

Der Strom der Einwanderer wird nicht abnehmen. Da hilft es nicht gegen die Schleuser vorzugehen, die sich zusätzlich an der ganzen Katastrophe bereichern.

Die Menschen Afrikas verlassen ihre Länder und nehmen auch ihren Tod in Kauf, weil das weltweite System so ungerecht ist. Es ist das kapitalistische System, unter dem auch wir leiden, jedoch natürlich in einem weit geringerem Maße. Doch auch bei uns wächst die Armut, die Arbeitslosigkeit, die Obdachlosigkeit... aber auch der Reichtum in den Händen einiger Weniger, die spekulieren und zocken, weil sie nicht mehr wissen, wie sie ihr Geld gewinnbringend in der realen Produktion investieren sollen.

Unterschiedliche Probleme – eine gemeinsame Lösung

Wir aber, die einfachen Bevölkerungen Afrikas oder Europas, wissen sehr wohl, wofür wir diesen Reichtum nutzen könnten: für Gesundheit, Bildung und Arbeit – ob in Afrika oder bei uns...

Es sind die Staaten der hochindustrialisierten Länder, die im Interesse der großen Konzerne, dass heutige System verwalten und weltweit unterstützen. Es ist unser eigener Staat, der für das Unglück vor Lampedusa mit die Verantwortung trägt. Wenn dieses Sterben auf dem Mittelmeer ein Ende haben soll, dann muss unserem eigenen Staat und dem heutigen Wirtschaftssystem ein Ende gemacht werden. Das ist ein weiter Weg, aber dieser Weg beginnt hier bei uns und nicht an den Grenzen der EU!


Marx
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